Ozan Yilmaz lächelt, atmet tief ein, hält einige Sekunden inne. Er sucht nach Worten, die den Augen­blick beschreiben können, auf den er ein­ein­halb Jahre hin­ge­ar­beitet hat. Seine Rück­kehr auf das Spiel­feld.

Ozan! Ozan! Ozan!“

Das Kölner Süd­sta­dion am ver­gan­genen Samstag. Das letzte Heim­spiel der Saison, der SC For­tuna führt 1:0 gegen Wehen Wies­baden, den Klas­sen­er­halt in der Dritten Liga hat der Auf­steiger längst geschafft, die Stim­mung ist ent­spre­chend gelassen. Doch plötz­lich rumort es auf der Tri­büne. Eine knappe Stunde ist vor­über, der Spieler mit der Nummer 19 auf dem Trikot trabt zur Ersatz­bank und macht sich ein­satz­be­reit. Die Fans rufen es lauter und lauter: ​Ozan! Ozan! Ozan!“

564 Tage sind ver­gangen, seit Yilmaz bei einem Auto­un­fall bei­nahe ums Leben kam. 564 Tage harter Arbeit. Mal war er traurig, mal zuver­sicht­lich, mal frus­triert, mal zufrieden – vor allem aber hat Yilmaz wäh­rend dieser Zeit einen Kampf­geist in sich ent­deckt, der ihn selbst mit­unter über­rascht hat. Es hat kaum Momente gegeben, so sagt er, in denen er nicht an sein Come­back geglaubt hat. Jetzt stand er zum ersten Mal wieder für die erste Mann­schaft der For­tuna auf dem Rasen und erlebte einen 2:1‑Sieg. Yilmaz schmun­zelt zunächst, als er seinen Ein­satz ana­ly­siert: ​Wenn ich einen Zwei­kampf gewann, fei­erten mich meine Mit­spieler, als hätte ich gerade Lionel Messi getun­nelt.“

Gebro­chenes Becken. Gequetschte Lunge. Geris­senes Zwerch­fell.

Yilmaz sitzt auf dem Trai­nings­ge­lände der For­tuna und erin­nert sich. Es macht ihm keine Pro­bleme, über die ver­gan­genen ein­ein­halb Jahre zu spre­chen. Und über den Moment, der ihn bei­nahe das Leben kos­tete.

Er setzte abends in Reck­ling­hausen-Marl, seinem Hei­matort, aus einer Park­lücke zurück – und wurde gerammt. Ein anderer Wagen krachte in seine Fah­rertür. Durch den Zusam­men­stoß brach sein Becken. Er erlitt innere Ver­let­zungen, einen Zwerch­fell­riss, eine gequetschte Lunge, sein Magen ver­rutschte. Dazu hatte er innere Blu­tungen. ​Aber ich habe das gar nicht gemerkt“, sagt Yilmaz. ​Ich wurde schnell aus dem Auto gezogen, weil Benzin aus­ge­laufen ist. Dann wollte ich ein­fach nach Hause gehen. Ich war in einem Schock­zu­stand, völlig neben der Spur.“