Dr. Alan McElli­gott, was sagen Sie als Experte: Ist es art­ty­pi­sches Goat-Ver­halten, Wout Weg­horst einen ​Idiot“ zu nennen?
Was ist das, ein Wout Weg­horst?

Ein nie­der­län­di­scher Stürmer.
Ver­stehe. Ich würde sagen: eher kein art­ty­pi­sches Ver­halten. Wieso fragen Sie?

Lionel Messi hat genau das kürz­lich getan, nach dem Spiel gegen die Nie­der­lande.
Kurios, nor­ma­ler­weise ist es näm­lich genau anders­herum. Quasi überall auf der Welt wird behauptet, dass Goats dumm seien. In Deutsch­land eben­falls, oder?

Auch bei uns heißt es gerne: ​Du dumme Ziege.“
Eine der ersten Stu­dien, die ich in Bezug auf Goats ver­öf­fent­licht habe, hatte genau das zum Thema. Bezie­hungs­weise haben meine Kol­legen und ich gezeigt, dass Ziegen viel cle­verer sind, als viele denken. Wir haben damals einen Ver­such auf­ge­baut, die Ziegen mussten eine soge­nannte Puz­zlebox meis­tern, um an ihr Futter ran­zu­kommen. Das haben sie relativ schnell durch­schaut. Das Erstaun­liche daran: Als wir die­selben Ziegen einen Monat und dann nochmal zehn Monate später wieder vor das Puz­zlebox-Hin­dernis gestellt haben, konnten sie sich an die Lösung erin­nern! Bemer­kens­wert, finde ich. Solange Messi zu diesem Weg­horst also nicht sagt, dass er dumm wie eine Ziege sei, hat er meinen Segen.

Ronaldo hier, Messi da, dazu noch Mara­dona, Pelé oder Cruyff: Viele Leute sind von der Goat-Debatte ermüdet, halten sie viel­leicht sogar für schwach­sinnig. Was finden Sie als Experte daran inter­es­sant?
Das geht in die gleiche Rich­tung wie eben. In Car­toons und Zei­chen­trick­filmen wurde früher immer das Kli­schee der dummen Ziege bedient. Nach dem Motto: ​Goats? Die spa­zieren nur blöd in der Gegend herum und fressen alles mög­liche.“

Nor­ma­ler­weise sind Goats etwas rus­ti­kaler“

Messi spa­ziert gerne in der Gegend herum – zumin­dest bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz – und hat schon alle mög­li­chen Gegner auf­ge­fressen.
Aber dieses Kli­schee ist kom­plett falsch! Mein Ziel ist es, die öffent­liche Wahr­neh­mung in Bezug auf Goats zu ver­än­dern, so dass Leute nicht mehr denken, sie seien bescheuert. Denn dann ist es auch leichter, für best­mög­liche Lebens­be­din­gungen zu sorgen. Goats sind in der Lage, sich gut oder schlecht zu fühlen, und wenn man sie schlecht behan­delt, dann leiden sie. Ein Bewusst­sein dafür zu schaffen, dass sie den­kende, lösungs­ori­en­tierte und füh­lende Wesen mit erstaun­lich gutem Lang­zeit­ge­dächtnis sind, kann dafür sorgen, dass sie besser behan­delt werden. Das hoffe ich zumin­dest.

Bei Ihnen klingt es so, als seien Goats aus­nahmslos lie­bens­wert. Das kann doch nicht die ganze Wahr­heit sein…
Goats können durchaus bös­artig und aggressiv sein, sie haben ein aus­ge­prägtes Kon­kur­renz­ver­halten. Und wenn sie von jemandem pro­vo­ziert werden, haben sie auch über­haupt kein Pro­blem damit, zu atta­ckieren.

Dar­über könnte Louis van Gaal mitt­ler­weile ver­mut­lich ein Buch schreiben.
Wurde der auch von Messi atta­ckiert?

Genau. Aber apropos Attacke: Haben Sie jemals einen schö­neren Goat-Angriff gesehen als den zum 3:0 der Argen­ti­nier gegen Kroa­tien?
Ehr­lich gesagt schaue ich dieses Jahr zum ersten Mal keine WM-Spiele, weil mich die Kon­tro­versen rund um das Tur­nier so genervt haben. Ich bin zwar über die Ergeb­nisse infor­miert, doch die ange­spro­chene Szene habe ich nicht gesehen. Aber ich kenne natür­lich Messi und weiß, wie wun­derbar er Fuß­ball spielen kann. Inso­fern würde ich sagen: In Bezug auf Goats gibt es wahr­schein­lich nie­manden, der schöner angreift. Nor­ma­ler­weise sind Goats da eher etwas rus­ti­kaler, weniger fili­gran, sie haben nicht die glei­chen Skills. Dafür können sie super klet­tern.

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