Selbst in einer Lebenshaltungskrise ist der Hunger nach Spitzenfußball in England unstillbar. Im Etihad Stadium, Anfield oder der Elland Road sind die Ränge meistens voll – durchschnittlich sind 98 Prozent der Stadien in der Premier League ausgelastet. Die Ticketpreise waren jedoch noch nie so hoch. 17 der 20 Klubs haben für die kommende Saison ihre Dauerkartenpreise erhöht.
Lediglich beim Londoner Trio FC Brentford, FC Chelsea und Tottenham Hotspur sind die Preise für die Saisonkarten stabil geblieben. Trotzdem hat Tottenham nach wie vor die zweitteuersten Dauerkarten der ganzen Liga. Die günstigste Kategorie kostet eine*n Erwachsene*n umgerechnet schlappe 936 Euro. Nur die Dauerkarten für Arsenal sind noch kostspieliger.
„Ticketpreiserhöhungen sind für den neuntreichsten Klub keine wirtschaftliche Notwendigkeit“
Tottenham Hotspur Supporters‘ Trust
Auch die Preise der Tagestickets in Tottenham gehören zu den teuersten in der Premier League sowie in Europa und wurden jetzt sogar noch einmal angehoben – zum Unmut vieler Fans. Der Tottenham Hotspur Supporters‘ Trust wirft dem Verein vor, „die Loyalität der Fans auszunutzen.“ „Enough is enough!“, heißt es in einer Erklärung. Genug ist genug. „Ticketpreiserhöhungen sind für den neuntreichsten Klub im Weltfußball keine wirtschaftliche Notwendigkeit.“
Laut der Fangruppierung hoffe der Verein, damit die in den Covid-Jahren verlorenen Einnahmen auszugleichen: „Wir sind uns der erhöhten Betriebskosten und des Mangels an Einnahmen durch einen europäischen Wettbewerb bewusst, glauben jedoch, dass es für den Klub andere Möglichkeiten gibt, Profite zu generieren. Diese Last sollte niemals auf die Fans abgewälzt werden.“
Teurere Preise trotz schlechterem Fußball
Die Spurs belegten vergangene Saison den achten Rang in der Premier League, die schlechteste Platzierung seit 14 Jahren. So nehmen sie kommende Saison an keinem europäischen Wettbewerb teil. Aufgrund dessen protestierten Fans bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison gegen den Vorstand und Vorsitzenden des Klubs, Daniel Levy. Sie warfen den Verantwortlichen vor, nicht genügend für den sportlichen Erfolg des Vereins zu tun. Die Spurs holten in den letzten 15 Jahren weder einen nationalen noch einen internationalen Titel.
Trotz des fehlenden sportlichen Erfolges müssen die Fans ab dieser Saison tiefer in die Taschen greifen. Ein durchschnittliches Ticket bei einem Topspiel im Tottenham Hotspur Stadium kostet eine erwachsene Person diese Saison umgerechnet 83 Euro statt 65 Euro. Im billigsten Segment fallen nun 43 statt 35 Euro an, wobei dafür ohnehin nur eineinhalb kleine Blöcke vorgesehen sind. Zusätzlich wurden die ermäßigten Preisbereiche für junge Erwachsene sowie Senior*innen reformiert. Die Ermäßigungen gelten jetzt nur noch in den günstigeren Blöcken. In einigen Fällen zählen auch einzelne Tribünenbereiche neuerdings zu teureren Kontingenten.