Vor Mateo Kovačić öffnet sich in der 19. Minute ein Raum. Der Kroate überquert mit Ball die Mittellinie und leitet einen aussichtsreichen Konter ein. Zwei Sekunden später ist er umringt von Argentiniern. Vier Blau-Weiße stochern, schubsen und setzen ihren Körper ein. Kovačić fällt, bekommt einen Freistoß. Die Argentinier reklamieren, klatschen sich aber auch ab. Einmal mehr haben sie der Offensive um Superstart Lionel Messi den Rücken frei gehalten.
Das gesamte argentinische System ist auf Messis Qualität ausgelegt. Vor allem das Mittelfeld läuft und arbeitet kollektiv für ihn mit. Trainer Lionel Scaloni hat für diese Rolle zentrale Mittelfeldspieler mit folgenden Kriterien auserkoren: Sie sind ungefähr 1,80 Meter groß, werfen sich kompromisslos in jeden Zweikampf und sind mit Tattoos übersät. Und genau von diesen Kettenhunden hat Argentinien mehr als genug. Trotz des Ausfalls von Giovani Lo Celso.
Beim 3:0‑Sieg im Halbfinale gegen Kroatien bot Scaloni im 4 – 4‑2-System gleich vier Spieler dieser Kategorie auf. Denn der Turnierverlauf hat gezeigt: Je mehr Sechser und Achter auf dem Feld stehen, umso besser läuft es. Gegen Saudi-Arabien (1:2) spielten lediglich zwei zentrale Mittelfeldspieler. Dann erhöhte Scaloni die Anzahl auf drei – und sofort lief es besser. Und als nach der Viertelfinal-Schlacht gegen die Niederlande klar war, dass Angel di Maria vorerst nicht zurückkommt, besetzte er gegen Kroatien das komplette Mittelfeld mit diesem Spielertyp. Doch wer sind Messis Kettenhunde eigentlich?
1. Rodrigo de Paul: Der Terrier
Seit anderthalb Jahren spielt Rodrigo de Paul schon unter Diego Simeone bei Atlético Madrid. Dorthat er sich zur Zweikampfmaschine entwickelt. Vorher war er bei Udinese Calcio unter Vertrag und lief in jüngeren Jahren sogar noch als hängende Spitze oder Rechtsaußen auf . Auch deshalb konnte Scaloni ihn gegen Kroatien problemlos auf der rechten offensiven Außenbahn aufbieten.
Stets der erste Gratulant: Rodrgio de Paul feiert Messi.
imago images
Der 28-Jährige lieferte die Bälle bei Messi ab und interpretierte seine Postion etwas zentraler, sodass er für den Zehner mit verteidigte. Er ist Messis Bodyguard und ein guter Freund des Superstars. Im Training albert er beispielsweise gerne mit Messi herum und gibt ihm auch schon mal eine nicht ganz ernst gemeinte Ohrfeige. Bekannt ist auch sein Einschreiten im September im Freundschaftsspiel gegen Honduras. Wenn jemand dem sieben Jahre älterem Linksfuß zu nahe kommt, dann bekommt er mit de Paul zu tun.
2. Enzo Fernández: Der Durchstarter
Erst im September debütierte der 21-Jährige in der A‑Nationalmannschaft. Im dritten Gruppenspiel gegen Polen durfte er erstmals von Beginn an ran und bereitete das Tor von Julian Alvarez vor. Seitdem ist der Spieler von Benfica Lissabon fester Bestandteil in der zentralen Postion vor der Abwehr. Fernandez bewegt sich mit einer Passquote von ungefähr 90 Prozent in dieser Champions-League-Saison in den Sphären von Joshua Kimmich, Frenkie de Jong und Sergio Busquets. Bei der WM bestätigt er das und laut Medienberichten wird es ihn bald schon zum FC Liverpool ziehen.
Der Box-to-Box-Spieler verehrt Messi und flehte ihn nach seinem kurzzeitigen Nationalmannschaftsrücktritt 2016 auf Facebook an: „Mach‘, was du willst, Lionel, aber bitte denke darüber nach, zu bleiben. Bleib‘ und hab‘ Spaß“. Er fügte hinzu: „Dich in Blau und Weiß spielen zu sehen, ist der größte Stolz auf der Welt.“ Jetzt spielt Fernández mit ihm und gibt alles für sein Idol.
Enzo Fernandez on Facebook in 2016, after Messi annouced his retirement from Argentina NT.
Read fully, it\u2019s beautiful words pic.twitter.com\/Z4EpfmMFAU<\/a><\/p>— All About Argentina (@AlbicelesteTalk) April 15, 2022<\/a><\/blockquote>