Pascal Gurk, Sie arbeiten als Fußball-Influencer, Ihre Tricks verfolgen Millionen im Internet. Wie sind Sie zum Kleinfeld-Fußball gekommen?
Als Kind habe ich die Hallenmasters im DSF geliebt! Das hat mich immer an den Fußball zuhause auf der Straße erinnert, wenn wir in den Käfig gegangen sind. Vier-gegen-Vier oder Fünf-gegen-Fünf, das war immer mein Vibe. Als ich die ersten Videos vom Kleinfeldfußball auf dem Handy gesehen habe, hat’s mich also sofort begeistert, weil es Erinnerungen geweckt hat.
Und dann?
Vor einem Jahr, im Sommer 2022, habe ich bemerkt, dass es eine deutsche Nationalmannschaft gibt. Also habe ich die Organisatoren angestupst und gefragt, was ich tun muss, um mitzumachen. Ein paar Tage später bin ich zu einem Lehrgang nach Göttingen gereist – und zum Glück habe ich beim Probetraining überzeugt. (Lacht.)
Sie hatten kurz zuvor noch in der Regionalliga beim VfB Homberg gespielt. War das ein gezielter Wechsel?
Nein, gar nicht. Ich hatte damals wegen meiner Aktivitäten in den Sozialen Medien und einem strammen Zeitplan die Entscheidung gefällt, nicht weiter im halbprofessionellen Bereich zu kicken. Zum Kleinfeld bin ich eher zufällig gekommen. Und ich hatte auch unglaubliches Glück: Nur einen Monat nach meiner Premiere sollte in Ungarn die Kleinfeld-WM stattfinden. Ich bin also als Neuling gleich mit dem denkbar größten Turnier gestartet.
Wie unterscheidet sich die Kleinfeld-Variante vom Fußball auf dem Großfeld?
Es ist schon sehr dynamisch, die Variante erlaubt nur sehr wenige Ballkontakte. Spieler, die grundsätzlich handlungsschnell sind und also über eine gute Reaktionszeit verfügen, haben Vorteile. Was ich daran liebe: Ich bin ständig in Bewegung, muss mich vor der Ballannahme orientieren und befinde mich stetig unter Druck. Ich habe damals als Flügelspieler begonnen und auf großen Fußballplätzen gab es Momente, da habe ich minutenlang meinen Mitspielern auf der gegenüberliegenden Seite zugeschaut. Das ist im Kleinfeld ausgeschlossen, Pausen gibt es nicht, man kann nie abschalten.
Klingt wie Sport als Tik-Tok-Video.
(Lacht.) Ja, das stimmt schon. Die Belastung zieht sich zwar immer nur über vier, fünf Minuten, aber ich war selten nach Spielen so kaputt.
Bei der WM 2022 in Ungarn ist die deutsche Mannschaft erst im Halbfinale an Brasilien gescheitert. Trotzdem zufrieden?
Es war vor allem eine schöne Zeit. Wir als Team mussten uns anfangs finden, hatten viele neue Jungs dabei. Das hat aber schnell harmoniert. Das hat sich gleich in der Vorrunde gezeigt: Da haben wir Algerien in 40 Minuten 19:0 geschlagen, die haben wir einfach überrumpelt und sind so schnell in einen Lauf gekommen. Gegen die Brasilianer im Halbfinale war es dann beinahe stereotypisch: Die Jungs spielen wie am Strand, ganz leichtfüßig, einfach beeindruckend. Wir haben gut dagegengehalten, sind 1:0 in Führung gegangen und haben am Ende 1:5 verloren – das war völlig in Ordnung. Was bleibt, ist die Erinnerung.
In diesem Sommer, vom 2. bis 11. Juni, findet die WM, der Socca World Cup, in Deutschland statt. Genauer: In Essen auf dem Kennedyplatz. Wie groß ist die Vorfreude aufs Heimspiel?
Ich freue mich sehr drauf, da ich aus dem Ruhrgebiet komme. Und ich finde, Kleinfeldfußball passt zur Region, weil die Menschen fußballverrückt sind und das Klein-Klein auf dem Platz lieben. Auf den Tribünen ist Platz für über 3.000 Menschen, die dürften uns ein wenig durchs Turnier tragen. Also mal sehen, ob es so auch für den Titel reicht.
„Im Kleinfeld spielen nicht zehn Zaubermäuse gegeneinander“
Sie haben mehr als drei Millionen Follower in den Sozialen Medien. Herrscht trotzdem noch Aufregung, vor ein paar hundert Zuschauern zu spielen?
Ich habe kürzlich bei einem Legendenspiel in Frankfurt vor etwa 20.000 Zuschauern spielen dürften, das war schon eine enorme Erfahrung. Beim Kleinfeld kommt hinzu, dass die Plätze ganz nah am Spielfeld angebracht sind, das sorgt für besonderen Nervenkitzel.
Pascal Gurk, in Ihren Videos treffen Sie immer wieder auf namhafte Profis. Welcher Spieler würde sich besonders gut im Kleinfeld machen?
Mario Götze wäre unschlagbar: Wie er sich mit seiner Technik auf engstem Raum verhält, das ist unnachahmlich. Der hat ja immer eine Lösung, egal, wie eng die Verteidiger um ihn herumstehen. Wichtig ist aber zu verstehen, dass auf dem Kleinfeld nicht zehn Zaubermäuse gegeneinander spielen. Mindestens einen zweikampfstarken Verteidiger, der den Ball lang schlagen kann, sollte jede Truppe haben.