Sechs Siege in Serie, dabei nur ein Gegentor kassiert, die Qualifikation zur WM perfekt gemacht: In einer Zeit, in der bei der deutschen Nationalmannschaft nur gewonnen wird, gibt es dennoch drei Verlierer. Sie heißen Marcell Jansen, Mike Hanke und Lukas Sinkiewicz. Kein Grund zur Sorge, den drei Herren geht es nach aktuellem Stand bestens. Jansen ist Präsident beim HSV, Hanke Co-Trainer der U19 von Borussia Mönchengladbach und Sinkiewicz Teil des Trainerteams bei der Zweiten von Fortuna Düsseldorf.
Aber: Rekordhalter beim DFB sind sie mittlerweile keine mehr. 2005 debütierte das Trio bei der deutschen Nationalmannschaft und kam dabei zusammen auf ein Durchschnittsalter von 19,67 Jahren, der bis dato jüngste Debütantenjahrgang in der Geschichte der Nationalmannschaft – und mit insgesamt nur drei Spielern ein zugegebenermaßen kleiner. 16 Jahre lang hatte das Bestand. Es kamen die Götzes, Müllers und Draxlers und auch die Wollscheids, Sams und Plattenhardts. Doch erst in diesem Jahr wurde die Geschichte neu geschrieben. Durch die bisherigen vier Debütanten Florian Wirtz (18), Jamal Musiala (18), Karim Adeyemi (19) und David Raum (23), dessen verhältnismäßig hohes Alter die Sache nochmal spannend werden ließ. 19,5 Jahre ist dieser Debütjahrgang im Schnitt alt. Und er hat gute Chancen, die Nationalmannschaft über die nächste Dekade hinweg entscheidend zu prägen.
„Da sollte man einfach Vertrauen haben“
Denn, und das unterscheidet Wirtz, Musiala und Adeyemi nicht nur von Jansen, Hanke und Sinkiewicz, das Trio befindet sich trotz des jungen Alters bereits auf einem Leistungslevel, das Anlass zum Zungeschnalzen gibt. Da ist Florian Wirtz, Jahrgang 2003, der Bayer Leverkusen mit vier Toren und fünf Assists in sechs Bundesliga-Spielen in dieser Saison auf Platz zwei geführt hat. Der sich nicht zwischen den Rollen des Spielmaches und Goalgetters entscheiden muss und den Abgang von Kai Havertz zum FC Chelsea abgefedert hat. „Mit seiner Unbekümmertheit ist er ein Riesengewinn für die Mannschaft. Einfach klasse, wie er sich aktuell entwickelt“, sagte Bundestrainer Hansi Flick jüngst über den Leverkusener.
Dann ist da Jamal Musiala, ebenfalls Jahrgang 2003, der bereits ein Leistungsträger bei einem Anwärter auf den Gewinn der Champions League ist und bei dem es kaum noch verwundert, wenn er ein Auswärtsspiel in Leipzig mit einem Tor und einem Assist mitentscheidet. Auch Dank Flick, der ihn während seiner Zeit als Cheftrainer beim FC Bayern zum Profi machte und förderte. Und Karim Adeyemi, Jahrgang 2002, der für sein Unternehmen in der Königsklasse trifft, in drei Länderspielen bereits auf zwei Scorerpunkte kommt und ein außergewöhnlich hohes Tempo mitbringt. Man könnte den Eindruck gewinnen, die drei Spieler haben ein paar Entwicklungsschritte übersprungen.
Für Hansi Flick ein Luxus, für den DFB eine schöne Geschichte, nachdem Ende 2020 die fehlende Qualität im Nachwuchs medial und auch seitens der DFB-Verantwortlichen wie Oliver Bierhoff lang und breit thematisiert wurde: „Über den Nachwuchs haben wir immer viel gesprochen. Und jetzt sind relativ schnell mit Karim Adeyemi, Jamal Musiala und Florian Wirtz drei ganz junge tolle Spieler dabei. Da sollte man einfach Vertrauen haben“, sagt Flick.