Hardy Grüne, heute vor 50 Jahren lief Eintracht Braunschweig als erster Bundesligist mit Trikotwerbung auf. Bei dieser Geschichte spielte das Wappen des Klubs eine wichtige Rolle.
Ja, denn weil der DFB die Darstellung von Sponsorenlogos untersagte, ersetzte der Jägermeister-Hirsch im Januar 1973 den traditionellen Braunschweiger Löwen im Wappen und galt damit als Teil des Vereinsemblems.
In Deutschland war und ist eine solche Veränderung des Vereinswappens geradezu ein Tabubruch. Doch in England sieht das ganz anders aus, nicht wahr?
Völlig anders, das hat historische Gründe. In Deutschland gehören drei Sachen zu einem Verein: der Name, die Farben und das Wappen. Meistens werden schon bei der Gründung alle drei Dinge festgelegt. In England hingegen waren die Klubs von Beginn an keine mitgliedergeführten Vereine, sondern Unternehmen. Die meisten von ihnen hatten zuerst überhaupt keine Wappen und legten auch keinen Wert auf so etwas. Auf den Trikots oder den Vereinspublikationen waren nie Embleme zu sehen. Es sei denn, es gab große Erfolge zu feiern, etwa den Einzug ins Pokalfinale. Dann wurde das Stadtwappen aufs Trikot genäht, denn man verstand sich als Vertreter der Stadt, aus der man kam.
Taten das deutsche Vereine denn nicht?
Nicht so wie die englischen, was auch an unserer Vorliebe für Vereinsgründungen liegt. Nehmen wir mal eine Stadt wie Bristol. Da wurden zwei Vereine gegründet, die Rovers und City, das war’s. In Hannover findet man schon um 1910 herum etwa zwölf Klubs. Das sorgt für eine viel größere Konkurrenzsituation und eine Fixierung auf den Verein selbst oder sein Viertel. Die Stadt ist da von nachrangiger Bedeutung.
Wann und wodurch änderte sich die englische Haltung zum Wappen als Emblem des Vereins?
Als Arsenal das Pokalfinale 1927 erreichte, wollte Trainer Herbert Chapman, auf den ja in England sehr viele Innovationen zurückgehen, zu diesem Anlass etwas Eigenes haben, also kein geliehenes Wappen mehr, sondern ein spezielles Abzeichen fürs Trikot. Seine Spieler liefen dann mit einem Emblem auf, das aus den drei Buchstaben „A“, „F“ und „C“ bestand. Das war so etwas wie der Beginn der modernen Heraldik im englischen Fußball.
Das war zudem ein für englische Verhältnisse eher unübliches Wappen, oder? Die Briten liebten doch diese komplexen, verschnörkelten Kunstwerke.
Ein paar Buchstaben und vielleicht noch ein Tier oder ein Motiv wie einen Ball – das sind klassische deutsche Wappen. Die englische Tradition kommt eben durch die besagten Stadtwappen, denn die wimmeln von Bezügen und damit auch Geschichten. Das macht die britische Fußball-Heraldik so spannend: Alles verweist auf etwas, auf Schlachten oder Kriege oder Königshäuser. Darum geht es ja auch in meinem Buch. Ich zeige nicht einfach nur die Wappen, sondern erkläre die Symbolik und die Bedeutung dahinter.