Uwe Koschinat hatte die Faxen dicke. „Was mich immer extrem frustriert“, sagte Saarbrückens Trainer in das „MagentaSport“-Mikrofon, „dass jedes Mal der Anschein erweckt wird, als ob wir kein leistungsbereiter Haufen wären.“ Was war passiert? Erstmal nicht viel – außer einer 0:1‑Niederlage im Drittligaspiel gegen Viktoria Köln. Doch hatte die Pleite ausgereicht, um die Sicherungen in den Köpfen einiger FCS-Anhänger durchbrennen zu lassen.
Aufgebrachte Fans stürmten in den Innenraum, um der Mannschaft die Meinung zu geigen. Wilde Wortgefechte waren die Folge, Aggressionen auf beiden Seiten. Mittendrin: Uwe Koschinat. Der Ärger des Cheftrainers war auch mit etwas zeitlichem Abstand noch nicht verdampft. „Es gibt eben sehr starke Gruppierungen, die sich für deutlich wichtiger halten als den Verein.“
Licht und Schatten
Keine Frage, es waren unschöne Szenen, die sich da in Saarbrücken am 19. Februar abspielten. Übertriebene Reaktion der Fans? Vielleicht. Allerdings wäre es zu einfach, die Aktion als isoliertes Fehlverhalten seitens des Anhangs abzustempeln. Denn die Geschehnisse hatten eine Vorgeschichte. Nicht ausgeschlossen, dass an diesem Tag sogar all das kumulierte, was sich im Laufe der Saison in Saarbrücken angestaut hatte. Es braucht einen Blick auf den Saisonverlauf, um das eigenartige Zusammenspiel von Licht und Schatten in Saarbrücken zu verstehen.
Am Anfang der Chronologie steht die Sommervorbereitung der Molschder. Der Klub hatte die erste Saison nach der Drittliga-Rückkehr auf Platz fünf abgeschlossen und den Abgang von Trainer Lukas Kwasniok gerade mit der Verpflichtung von Uwe Koschinat kompensiert. Gegenüber dem DFB bezeichnete der neue Trainer die Platzierung aus der Vorsaison als „Messlatte, an der wir uns gerne orientieren.“ Sportdirektor Jürgen Luginger legte in der „Bild“ nach und skizzierte den geplanten Saisonverlauf: „Dann wollen wir natürlich oben mit dabei sein, am besten auch bis zum Schluss.“ Alles in allem völlig legitime Aussagen, die jedoch eine gewisse Erwartungshaltung schürten und die Mannschaft unter Druck setzten. Womöglich war sogar genau das gewollt.
„Eure Leistung, eine Schande“
Zumal der Plan aufzugehen schien. Saarbrücken kam ordentlich aus den Startlöchern und ließ sich auch von der unwürdigen Rassismus-Posse um Dennis Erdmann sowie einem kurzen Zwischentief nicht aus der Bahn werfen. Im September und Oktober letzten Jahres blieb der FCS sechsmal in Folge ohne Niederlage, schien also gerüstet für die Derbys gegen Mannheim und Kaiserslautern am 14. und 15. Spieltag. Doch dann der Supergau: 0:1 beim Waldhof, 0:2 gegen Lautern. Die Darbietungen? Ein Offenbarungseid. Die Seele der Saarbrücker Fans? Tief gekränkt. Schon damals, nach der Pleite gegen Lautern, brachen einige FCS-Anhänger in den Innenraum des Ludwigparks durch. Die volle Breitseite der Fans folgte kurz darauf im Landespokal – in Form eines Banners: „Eure Leistung, eine Schande.“
Die Mannschaft wusste da längst, was sie angerichtet hatte. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Saison kaputt. Alles, was wir uns vorher aufgebaut hatten, ist jetzt erstmal versaut und auf gut Deutsch gesagt für den Arsch“, lautete das Fazit von Kapitän Manuel Zeitz. Durchaus überraschend, dass sich der FCS zügig von der Derbyzäsur erholte und eine neue Serie startete. Seit Anfang Dezember gingen lediglich zwei Spieltage über die Bühne, an denen Saarbrücken dem Spitzenquintett nicht angehörte. Und das, obwohl die Türkgücü-Insolvenz samt Einstellung des Spielbetriebs deftig ins Kontor schlug. Wertlos sind jetzt die beiden Siege gegen die Münchner.