Klaas Reese, seit ges­tern steht das erste Fuß­ball-Twitter-Hör­spiel im Netz und wird mächtig abge­feiert. Wie kamst Du auf die Idee?
Ich saß zum Ende der letzten Saison zu Hause und schaute Bun­des­liga. Und es war ster­bens­lang­weilig. Also habe ich par­allel mal bei Twitter geschaut, was so in meiner Time­line los ist. Und siehe da: Es war tau­send Mal inter­es­santer als das, was auf dem Rasen pas­sierte. So ent­stand die erste Idee, diesen Wahn­sinn einmal beson­ders zu ver­ar­beiten. Also habe ich meinem Kumpel Simon Kam­phans von meiner Hör­spiel-Idee erzählt. Er hat bereits Erfah­rung mit der Pro­duk­tion von Hör­spielen und zudem ein kleines Studio. Das war von Vor­teil.

Ihr habt die EM als Test­feld aus­ge­wählt.
Wir haben uns das EM-Finale als Spiel aus­ge­wählt. Natür­lich haben wir ins­ge­heim gehofft, dass Deutsch­land gegen Spa­nien spielt. Aber rück­bli­ckend betrachtet, war es besser für unser Pro­jekt, dass es Ita­lien geschaft hat.

Warum?
Ganz ein­fach: Die Leute hatten ein­fach mehr Zeit zu twit­tern, weil sie das Spiel ganz ent­spannt gucken konnten. Wenn Deutsch­land im Finale gestanden hätte, wäre ver­mut­lich weniger los gewesen.

Das Ergebnis ist ein 13-minü­tiges Hör­spiel, das beim Zuhören auto­ma­tisch das Kopf­kino anwirft. Wie viele Arbeits­stunden ste­cken dahinter?
Als ich Simon das erste Mal von meiner Idee erzählt habe, sagte er nur: ​Ich bin dabei, aber nur, wenn wir nach einem Tag fertig sind. Ich muss meine Magis­ter­ar­beit schreiben.“ Wir planten also, am Mon­tag­morgen mit dem Hör­spiel online zu gehen.

Woran schei­terte diese Idee?
Natür­lich haben wir den Auf­wand total unter­schätzt. Ich hatte wäh­rend des End­spiels bereits alle Tweets favo­ri­siert. Als ich sie nach Abpfiff sam­melte, kamen am Ende 20 DIN-A4-Seiten aus dem Dru­cker. In der Nacht habe ich ein­ein­halb Stunden geschlafen. Dann sind wir ins Studio. Da war schnell klar: Den Montag schaffen wir nicht!

Und Simon stieg aus?
Nein, uns packte ein­fach der Per­fek­tio­nismus. Das ganze Team war total heiß. Es ent­wi­ckelte eine rich­tige Eigen­dy­namik. Irgend­wann haben wir ent­schieden, dass wir erst raus­gehen, wenn alle zufrieden sind.

Wer hat das Pro­jekt finan­ziert?
Das war eine totale No-Budget-Pro­duk­tion. Ohne Simon, seinen Kumpel Mat­thias Lang, der die Musik pro­du­ziert hat und die ganzen Spre­cher, die ich umsonst gewinnen konnte, wäre das ganz Ding schon tot gewesen, bevor ich den Dru­cker ange­stellt hätte.

Wo findet man gute Spre­cher für so ein Pro­jekt?
Ich war lange beim Kölner Hoch­schul­sender Köln­campus und habe da zusammen mit vielen talen­tierte Leuten eine Sport­sen­dung gemacht. Die waren sofort Feuer und Flamme.

Wird Twitter als Fuß­ball-Info-Medium eigent­lich immer noch unter­schätzt?
Ich meine schon. Für viele ist das, was auf Twitter pas­siert noch immer sinn­lose Spie­lerei. Aber da pas­siert mitt­ler­weile viel mehr als nur ein paar dumme Sprüche. Viele schnelle Ana­lysen sind wirk­lich erstaun­lich. Dem ZDF könnte man bei­spiels­weise emp­fehlen da mal rein­zu­schauen.

Dabei hat der ZDF-Fuß­ball­strand doch mit Jean­nine Michaelsen eine echte Exptertin aus dem Hut gezau­bert. Sogar Oliver Kahn weiß jetzt, was Twitter ist.
Ich war wirk­lich ver­wun­dert, was da in Usedom pas­siert. Im Grunde hat das ZDF eine richtig gute Social-Media-Abtei­lung. Und dann kommt da diese durchaus char­mante Frau und ver­liest nur dumpfe Nach­richten und Wer­be­bot­schaften von Lukas Podolski. Im Grunde kann man sagen, die Twitter-Abtei­lung hat sich nahtlos an die Leis­tungen des Fuß­ball­strand-Teams ange­passt.

Die ARD erfand bei großen Tur­nieren zusammen mit der Band ​Blu­men­topf“ die Rapor­tage. Viel­leicht klopft das ZDF ja bald bei Euch an und macht ein neues Genre auf?
Schön wäre es, denn so viel Spaß das auch gemacht hat. Wir könnten es uns nicht leisten, so etwas für den Spaß an jedem Wochen­ende zu machen. Der Auf­wand war wirk­lich extrem.

»Hier geht es zum Hör­spiel „#finale – Quelle: Fremd­ma­te­rial“